Börn, der Mensch

Am Tag seiner Geburt war die Wiese vor dem Haus seiner Eltern rau und grau vom Reif, der Himmel blau und die Luft frisch wie er selbst – und immerhin hing das Sternbild des Löwen im All. Man schrieb das Jahr 1968. Im Alter von 2 Wochen wurde er auf den Namen Bernhard Johannes Moshammer getauft und also als Christ sofort wiedergeboren. Danach folgten Kindheit, Messdienst, Schulzeit, Fußball, Gitarren, geschlechtliche Reife, Ängste und all das. Er wurde früh von der Liebe enttäuscht, hat es aber mittlerweile zu einer Ehefrau und 2 Kindern gebracht. Englischsprachige Freunde nannten ihn immer Bernie oder Bern, einer liebte die Umlaute und schrieb Börn. Er ist einer von denen, die sich als zumeist glücklich und selten zufrieden bezeichnen würden. Er ist ein kapitaler Spätzünder und hofft so auf ein sehr langes Leben und richtig gigantischen Erfolg. Er ist schon irgendwie seltsam, aber eigentlich auch nett. Ganz normal.

Er hat mit der Zeit ein paar CDs produziert und immer auf eigene Faust veröffentlicht (Rotkopf/Off, 1996. Rotkopf/Zehn Wahrheiten, 1998. Börn/Pretty Stone, 2003). Er neigt dazu, das Einzelgängerische zu übertreiben.

Im Jahr 2006 hat er zwei Abende mit Patti Smith gespielt und gesungen – das hat ihn sehr berührt. Jetzt gibt es eine neue CD mit einem erbaulichen Titel und 21 Songs drauf – und die ist wirklich gut, deutsch und englisch, schön und ruppig.

Bernhard Moshammer hat schon ziemlich viel geschrieben, aber Gott sei Dank erst seinen Roman ZEIT DER IDIOTEN beinahe veröffentlicht. Der ist dafür wirklich gut. Wütend, lustig, verzweifelt, wild. So etwas wie den Nobelpreis erwartet Herr Moshammer nicht unbedingt, aber die Kohle hätte er schon gern. Er würde das meiste auch spenden – seine Familie könnte freilich noch den einen oder anderen möglicherweise gar nicht unvernünftigen Einwand gegen diesen Plan beisteuern.

Sowohl Börn als auch Herr Moshammer arbeiten wie ein Tier. Das alles ist also noch lange nicht alles gewesen.

2007