performance für einen schauspieler
von bernhard moshammer

geschrieben im Jänner 2004

„In meiner Vorstellung stehe ich in meiner Küche und versuche, glücklich zu sein. Einfach. Zufrieden. Aber... was soll ich sagen... es geht nicht. Es geht einfach nicht.“

Der Kleine Mann, ein von Politikern geschmacklos missbrauchter – wahrscheinlich auch geprägter und in die Köpfe der Menschen eingenisteter Begriff. Religiöse Machtinhaber sprechen liebevoll vom Schäfchen. In Wahrheit ein Raubvogel, der seit Generationen seine Eier in unseren Köpfen ausbrütet und unsere Wahrnehmung in diese Kleiner-Mann-Perspektive drückt. Waren es früher die Bauern, dann die Arbeiter, die bisweilen vergeblich ihr Blut über diese Ohnmacht geschüttet hatten, so sind wir heute alle der Meinung, zwar klein zu sein, aber auch alle Möglichkeiten zu haben, groß zu werden. Wir haben die Information, wir haben die Freiheit, Demokratie und Casting-Shows – was wollen wir mehr? Der amerikanische Traum stülpt sich über Europa. (Und somit der Archetypus des Serienkillers...) An dieser Lüge zerbrechen viele. Das ist die Wiege aller Verschwörungsfreaks, die – selbst wenn sie näher an der Realität sein sollten als ORF und CNN – die Legende des Kleinen Mannes immer fester in den Boden, auf dem wir stehen, zementieren.

„Es liegt nicht an mir. An mir ist es nie gelegen. An mir wird es nie liegen.“

Die Kunst ist wahrscheinlich, nicht mehr klein zu denken, sich von der Opferrolle zu verabschieden – was aber auch bedeutet, individuell denken, sich von der Masse verabschieden. Und das hat nichts damit zu tun, asozial zu werden, was wiederum eine von Politikern verbreitete Mär ist.

Diese Performance des Kleinen Mannes ist eine Skizze – die eigentliche Handlung vervollständigt sich in unseren Köpfen. Und vielleicht ist sie nichts weiter als eine Lüge.


Bernhard Moshammer